„Steuerkurs 21 Grad USA“

27.05.-2.06.2017

Und immer wieder dieses derzeit leidige Thema „Wetter“. Zweimal täglich haben wir uns die Wettervorhersagen angeschaut, verschiedene Modelle mit einander verglichen und Pläne geschmiedet. Mittlerweile waren einige Schiffe am Warten und es gab eigentlich nur ein Thema „Wetter“. Naja es ist für diese Passage auch sehr wichtig, dass der Wind am Cape Hatteras, welches wir umrunden mussten, nicht zu stark war. Das hat auch seinen Grund; denn an diesem Cape trifft der warme Golfstrom auf den kalten Labradorstrom, welches zur Folge hat, dass sich in diesem Bereich oft Wetterfronten bilden und die See bei starkem Wind sehr rau und steil werden kann. In den letzten Tagen waren am Cape öfter Windstärken von 30-40 Knoten, teilweise auch mehr zu sehen, nicht schön…… Gewitter mit ähnlichen Windstärken haben wir am Anker liegend vor Marsh Harbor kennen gelernt und dies wollte ich auf keinen Fall auf See erleben. Ok, am Freitag letzte Crew-Besprechung zusammen mit der CharlieII ; es stand fest, sowie die Gewitter abgezogen sind sollte es losgehen. Die Aussichten für die ersten Tage waren nicht gerade berauschend, da schwacher Wind angesagt war, aber lieber etwas weniger als zu viel. Nachdem wir die letzten Vorbereitungen getroffen hatten, wie z.B. Essen vorkochen und das Schlauchboot einpacken ging es am Samstagnachmittag los. Mit den Windverhältnissen kamen wir ganz gut zurecht, unser Schiff braucht ja auch nicht so viel Wind. Blöd war nur, dass es teilweise zu wenig für unsere Windsteueranlage war, denn die braucht bei raumen Wind schon eine gewisse Stärke, um den Kurs halten zu können. Da unsere elektrische Steueranlage ausgefallen war, hieß für uns steuern per Hand. War zwar anstrengend, aber zum Glück nicht ständig, aber bei so einer großen Distanz schon doof.

 

Wenn man so etwas Mal gemacht hat, weiß man eine elektrische Anlage schon zu schätzen. Uns wurde „sowas“ von klar, dass sowie wir Deltaville erreicht haben, eine neue Anlage eingebaut wird 🙂 Das aktuelle Wetter haben wir per SMS über unser Satellitentelefon, die CharlieII über Kurzwelle bekommen. Somit konnten wir über Funk die Modelle vergleichen. Am Dienstag haben wir uns noch gefreut, dass wir so gut voran gekommen sind und die nächste Front laut“ beider“ Vorhersagen erst am Donnertag morgen kommen sollte. Bei einem Durchschnitt von 5Knoten sollten wir dann schon am Cape vorbei sein. Ja, leider kam es anders 🙁  Mittwochmorgen um 4:30 Uhr war meine Freiwache vorbei. Thomas weckte mich mit den Worten:“ ich glaube da kommt richtiges Scheißwetter!“ Oh, man dachte ich, das darf doch nicht wahr sein! Als ich raus schaute konnte ich im Dunkeln zwar nur die Blitze sehen, aber das reichte schon, so etwas hatten wir noch nicht gesehen. Die Blitze waren nicht nur am Himmel, sie schlugen auch in Intervallen senkrecht ins Wasser ein, einmal sogar neben unserem Schiff 🙁 Als Thomas mir dann sagte, dies sei schon seit zwei Stunden so, wurde mir mulmig :(. Der dazu gehörige Wind ließ auch nicht mehr lange auf sich warten. Im hellen konnten wir sehen das an ablaufen gar nicht zu denken war, die Front war einfach zu groß, da mussten wir jetzt durch! Nach ca. 4 Stunden war das Gewitter vorbei und der Wind hatte sich auf Stärke 6-7 runter gefahren( während des Gewitters hatten wir in Spitzen 40Knoten). Obwohl wir noch weit vom Cape entfernt waren hatten wir eine steile See, aber durch den Golfstrom der teilweise 3Knoten mit uns lief kamen wir schnell voran. Was für meinen Thomas ein Heiden Spaß war, so mit 9-12Knoten Geschwindigkeit die Wellen abzureiten, hatte bei mir zur Folge das ich seekrank wurde. Ich musste mich zum Glück nicht übergeben, war nur sehr,sehr müde und somit ein Totalausfall. Ich habe es aber noch geschafft meinen super Steuermann mit Getränken und Essen zu versorgen, immerhin! Das berüchtigte Cape haben wir unter normalen Bedingungen umrundet, richtig schönes segeln . Am Donnerstagabend 18:00 Uhr hatten wir die Chesapeake Bay erreicht. Von dort aus ging es weiter auf dem Elizabeth River bis nach Norfolk .Die Fahrt zog sich hin, vorbei an Marine Stützpunkten und Industriehäfen. Es wollte einfach kein Ende nehmen. Wir hatten keine Lust mehr. Um 4:00 Uhr morgens ließen wir dann am vereinbarten Treffpunkt im Ankerfeld zwischen Norfolk und Portsmouth den Anker fallen. Leider war keine Charlie2 in Sicht. Wir hatten uns während des Gewitters verloren und seitdem auch keinen Funkkontakt mehr. Etwas besorgt waren wir schon, da wir davon ausgingen, dass sie vor uns waren. Nach drei Stunden Schlaf sah die Welt dann zum Glück schon wieder anders aus. Während ich meiner Tochter per Telefon mitteilte, dass wir gut angekommen sind, erzählte Lisa, dass die CharlieII am Anfang der Cheasapeake Bay sei, also auf dem Weg zu uns. Gut das es marine traffic gibt.

     

 

 

 

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Hallo ihr Lieben!ich bewundere euch immer wieder.Euren Mut und trotzdem immer gute Laune.Weiterhin viele tolle Erlebnisse und wenig Gefahren!LG Christine

  2. Uiiii, da habt ihr ja etwas erlebt. Ich möchte nicht mit euch tauschen.
    Hatte richtige Gänsehaut beim Lesen.
    Nun wünsche ich euch ein paar ruhige und entspannte Tage.
    viele liebe Grüße Helge &Tina

  3. puh!
    ich zieh die kappe!
    gewitter auf see macht schon keinen spaß
    aber dann noch die bonus-Bedingungen…alter falter.
    manchmal ist segeln kein geschenk, aber gott sei dank sind wir als segelndes volk ja eher vergesslich….und geneigt uns an die surf´s die wellen runter zu erinnern.-geil!

    es grüßen aus wendtorf
    sabine &helge

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