“ Pazifik Passage“

“ Pazifik Passage“

13.04.-17.05.2018

Panama City-Hiva Oa ,4200sm, 33,5 Tage

Schon ein paar Monate vor unserer Passage habe ich mich des Öfteren gefragt: Hey Susanne, willst du das eigentlich wirklich tun? Schaffen wir das mit unserem Boot? Ja, und nachdem wir die beiden üblen Passagen gen Panama hinter uns hatten, war auch ich mir sicher das packen wir, im Gegensatz zu Thomas, der nicht einmal daran gezweifelt hat. Also ging es gut vorbereitet am Freitagnachmittag los. Es gibt zwei Möglichkeiten; einmal die etwas kürzere nördliche Passage, oder die etwas längere südliche aber vom Wind her die günstigere Passage, laut „ Segelrouten der Welt“ von Jimmy Cornell. Wir haben uns für die südliche entschieden und ein bisschen Glück das es so kommt wie es beschrieben wird, gehört natürlich auch dazu. Nach einem ganz guten Start ging es die ersten Tage doch eher zähflüssig voran. Das war uns aber klar, dass wir bis zu den Galapagos Inseln mit eher wenig und auch Gegenwind rechnen müssen. Wenn der Wind zu schwach war haben wir anfangs nicht gezögert und den Motor mit eingesetzt. Nach 10 Tagen haben wir festgestellt, dass dies so nicht weiter gehen kann, denn vor uns lagen immer noch 3500 sm und 1 drittel unseres Diesel war bereits verbraucht :(. Kein Wind und bedeckter Himmel bedeutet auch kein Strom, also musste der Honda Generator raus. Dieser war gut verstaut im Vorschiff  und wir hatten ihn tatsächlich vergessen :).Schnell stellte sich heraus dass unsere Stromprobleme (die mir schon Sorgen bereitet haben) gelöst waren. Kraftstoff rein, zweimal angezogen und Strom wie am Steg, herrlich.

Schnell hat sich ein geregelter Tagesablauf eingestellt. Thomas seine alltägliche erste Aufgabe am Tag war, die Leichen von den fliegenden Fischen, die nachts den Weg auf`s Deck gefunden haben zu entfernen, wobei es auch schon mal 25 sein konnten.

Nach dem Frühstück Sport, manchmal Reinigungsarbeiten, ich habe viel gelesen und Thomas hat gerne geangelt .Der Erfolg war allerdings Anfangs mäßig, wir haben viele Vorfächer verloren, da die Fische zu groß waren. Einmal hat sich ein Albatros den Köder geschnappt und wollte damit los fliegen. Zum Glück hat er wieder los gelassen, die Vorstellung einen wild flatternden Vogel im Cockpit vom Hacken zu befreien fand ich gar nicht schön. Nach dem wir kleinere Köder benutzt haben , war der Erfolg größer. Insgesamt haben wir 12, zum Teil große Fische gefangen, die eine schöne Abwechslung in den Speiseplan brachten.

Dieser Bewuchs zog sich über den ganzen unteren Rumpf und über die Entenmuscheln wollen wir erst einmal gar nicht reden 🙁 diesen Anblick konnte Thomas auch mitten auf dem Pazifik nicht mehr aushalten und startete ein groß angelegtes Reinigungs-Programm.

So sah unser einst gut gefülltes Fruchtnetz schon nach 10 Tagen aus 🙁

Auch eine schöne Abwechslung in den Alltag auf See, brachte uns auch unser Satelliten Telefon, der vor allem für mich wichtige Kontakt zur Außenwelt. Täglich haben wir z.B. über dies unsere Positionen und Befindlichkeit mit der Crew der Minga aus Australien ausgetauscht die einige Tage vor uns gestartet ist. Auch unsere Familie wusste immer wo wir sind und es war schön auch mal etwas aus der Heimat zu hören. Auch unser Wetter haben wir über das Sat. Telefon von Wetterwelt bezogen, auch dies hat gut geklappt. Und so arbeiteten wir uns zu unseren Wegepunkten, mal mit, mal ohne Wind, teilweise kreuzender Weise oh, das fand ich besonders übel. Täglich 12:00Uhr mittags haben wir unserer Etmal aufgeschrieben. Das schlechteste Richtung Ziel (bedingt durch das kreuzen Richtung Ecuador) waren sage und schreibe „ ganze 36sm“, ich mochte es gar nicht aufschreiben, meine Stimmung war auf dem Nullpunkt angekommen und ich fragte mich wann sollen wir jemals dort ankommen? Aber auch wir haben die „ Trade Wind’s“(oder sie uns) gefunden und es ging flotter voran, unser bestes Etmal waren 157sm, der Schnitt lag bei 120sm, das fanden wir für unsere Größe und die wechselnden Bedingungen ok. Während der ganzen 4200sm haben wir zwei Schiffe getroffen; einen großen Fischer tagsüber und einen Segler nachts (nach ca.1500sm), das war ein Schreck für beide Crews, da keiner damit gerechtet hat. Als das Schiff nur noch 100 Meter von uns entfernt war hat Thomas lieber mal gefunkt. Am anderen Ende meldete sich eine ziemlich verschlafende Stimme und bestätigte dass auch er uns (jetzt) sehen würde und wir wünschten uns gegenseitig eine gute weitere Reise, puhhhh das ist noch einmal gut gegangen. Zu unserem Schiff können wir nur sagen“ super gemacht“! Außer ein paar Schamfilen Leinen unserer Windfahne und unserer Halterung von unserem sea-me keine Verluste zu vermerken 🙂

Die Sache mit dem sea-me war allerdings schon speziell. Drei Tage vor unserer Ankunft weckte Thomas mich morgens um 4: 00Uhr mit den Worten:“ Susanne aufstehen, du musst mich in den Mast ziehen!“ Ein Blick nach draußen, ich sah nichts, es war noch stock finster und ich dachte das kann doch nur ein Alptraum sein. Nein, war es nicht, denn die abgebrochene Halterung, die sich normalerweise auf der Saling befindet schliff noch mit dem Kabel an der Antenne verbunden, sehr scharfkantig immer am Großsegel hin und her, nicht schön. So, jetzt sehr schnell wach werden und funktionieren bevor das Segel einen Riss hat. Ja, und da hing mein Thomas nun im Bootsmann Stuhl schwingender Weise, wir hatten nicht gerade wenig Welle im Mast und arbeitete. Ich konnte gar nicht rauf sehen, es war nicht schön. Wieder unten angekommen war klar, dies war notwendig sonst hätte unser Großsegel wirklich kaputt gehen können. Die letzten Tage schleppten sich dahin, da der Wind schwach war.

                                   

Auch unser Wassermacher hat gut gearbeitet 🙂

Große Freude kam auf, als wir am Vormittag des letzten Tages Land sehen konnten, war schon sehr emotional, ja wir hatten es fast geschafft! Nett begrüßt wurden wir von Lyke, als wir spät am Abend unser Ankerfeld Bay Tahauku, auf Hiva Oa erreicht hatten. Er fragte nach dem Namen unseres Schiffes und sagte dann, oh wir haben uns auf dem Ozean getroffen. Ich dachte nur, ja ne, ist schon klar. Doch am nächsten Morgen während eines gemeinsamen Kaffes, zu dem Sahra und Lyke uns auf ihren Katamaran, ein Lago0n 62 eingeladen hatten, stellte sich heraus, dass wir uns tatsächlich nachts getroffen haben und es die verschlafene Stimme von Lyke an der Funke war  :). Ach, das sind doch die schönen Erlebnisse die diese Reise ausmacht.

Hiva oa in Sichtweite 🙂

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Nachträglich herzlichen Glückwunsch. Super gemacht mit Eurem „kleinen“ Boot.
    Wir benötigten 38 Tage für die Überfahrt, starteten allerdings in Equador, wollten uns das Motoren bis zu den Galapagosinseln ersparen. Trotzdem mussten wir ab und zu den Diesel anwerfen, auch wegen fehlender Sonne = fehlender Strom. Unsere Überfahrt war nicht sehr angenehm, wir hatten immer zu wenig Wind für die Wellenhöhe. Dies bedeutete fast 38 Tage ein rollendes Schiff, von Backbord nach Steuerbord, von Steuerbord nach Backbord und dies ununterbrochen.
    Aber dies ist nun schon lange her, jetzt sind wir bereits im Mittelmeer und werden Ende August unsere Weltreise beendet haben.
    Euch wünschen wir noch viel viel Freude im Pazifik, es gibt viel zu entdecken.
    Liebe Grüße
    Sybille und Dieter
    SY Lycka

  2. Abenteuerliche Geschichten, mein Geist klebt an den Worten. Wunderschöne Erlebnisse und Eindrücke, die euch keiner mehr nehmen kann. Auf der „anderen Seite“ scheint die Welt in Ordnung. So viel Freude über Tauschgeschäfte oder einfach „nur“ ein Geschenk aus Nächstenliebe.
    Ganz liebe Grüße an meine Schwester und meinen Schwager: ich vermisse Euch!

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